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Bankenkrise

Vor genau einem Jahr trat ein, womit niemand gerechnet hatte. Eine Bank ging pleite, zudem eine alteingesessene große und erfolgreiche Geschäftsbank in den USA. Mit der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers wurde plötzlich deutschen Sparern bewusst, dass ein Zertifikat kein Sparbrief ist und dass das Versprechen von hohen Zinsen oftmals auch mit dem Eingehen eines hohen Risikos verbunden ist.

Inzwischen kann erste Bilanz gezogen werden, bei einer Anmeldung der Forderungen im Insolvenzverfahren können Zertifikatskäufer mit ca. einem Viertel ihres angelegten Geldes als Rückzahlung rechnen. Andere Anleger haben versucht, die Banken, welche ihnen die Zertifikate der Lehman Brothers verkauft hatten, in Haftung zu nehmen. Nachdem die Gerichte in Deutschland hinsichtlich möglicher Schadenersatzansprüche aufgrund von Beratungsfehlern sehr zögerlich waren, hat das Landgericht Frankfurt / Main nun erstmals einem Anleger Schadenersatzansprüche zugesprochen. Das Gericht führt in seinem Urteil aus, dass die Angaben zum Totalverlust im Verkaufsprospekt nicht ausreichend gewesen sind, vielmehr hätte der Bankberater den Kunden ausdrücklich auf die Möglichkeit des Totalverlustes im Falle der Pleite der herausgebenden Bank hinweisen müssen. 

Besonders interessant an dem vom Landgericht Frankfurt entschiedenen Fall ist, dass es sich bei dem beschädigten Anleger nicht um einen immer wieder gern zitierten, besonders sicherheitsbewussten Rentner gehandelt hat. Der erfolgreiche Kläger ist selbst Rechtsanwalt. Die verurteilte Bank wollte anführen, dass der Kläger schon von Berufs wegen alles besser wisse und auch um die Risiken der verkauften Zertifikate wissen musste. Dem folgten die Richter in Frankfurt nicht. Der normale Bankkunde muss gerade nicht wissen, dass ein Zertifikat immer mit dem Risiko belastet ist, dass der Zertifikatsherausgeber in die Insolvenz gerät und der Anleger somit keine Rückzahlung erhält.

Die Entscheidung des Landgerichts Frankfurt lässt viele Anleger wieder hoffen. Soweit die Citibank als Vermittler der Zertifikate aufgetreten ist, bietet diese ihren Kunden Vergleiche an. Bei den anderen verkaufenden Banken muss eine solche Möglichkeit im Einzelfall geprüft werden. Es bleibt allerdings bei der Börsenweisheit, dass man nur kaufen sollte, was man auch verstanden hat.